Röteln: Diagnose
Syn.: Rubeola, German measles
Definition
Akute, infektiöse Viruserkrankung, die durch ein Virus aus der Familie der Togaviridae ausgelöst wird und in der Regel milde verläuft, während der Schwangerschaft jedoch eine Embryopathie verursachen kann.
Erreger
- Rötelnvirus(RNA-Virus aus der Familie der Togaviridae)
- Rötelnvirus infiziert ausschließlich Menschen
- ein Serotyp, zumindest 7 Genotypen
- Inkubationszeit 14–21 Tage
- Übertragung durch Tröpfcheninfektion per inhalationem
- Kontagiosität jeweils 1 Woche vor und nach Auftreten des Exanthems am größten
- Risiko einer Infektion: Flüchtiger Kontakt führt bei 20% der nichtimmunen Erwachsenen zur Erkrankung (Masern 98%), Haushaltskontakt (Kind-Mutter-Infektion) bei 74–90% und Pflegekontakt bei 75%.
- Bei embryonaler Infektion ist eine lang anhaltende postnatale Virusausscheidung möglich.
Epidemiologie
- weltweite Verbreitung
- Vor Einführung der aktiven Immunisierung waren v.a. Kinder zwischen dem 5. & 9. Lebensjahr betroffen.
- Seit Einführung der aktiven Immunisierung sind häufiger junge Erwachsene betroffen.
- Inzidenz in Mitteleuropa rund 0,33 Fälle pro 100.000 Einwohner (abhängig von Durchimpfungsrate)
- In Ländern ohne flächendeckende Impfprogramme kommen Rötelnepidemien weiterhin alle 6–9 Jahre vor und in diesen Regionen haben 10%–25% aller Frauen im gebärfähigem Alter keine Immunität gegen Röteln.
Klinik
- Postnatale Infektionen sind meist mild und häufig subklinisch (>20% aller Rötelnerkrankungen)
- Prodromi wie bei leichtem grippalem Infekt
- kurze und mittlere Temperaturerhöhung
- Schwellung der nuchalen und retroaurikulären Lymphknoten
- mäßige Milzvergrößerung
- ein bis zwei Tage nach ersten Beschwerden Auftreten eines makulopapulösen, blassroten Exanthems (vom Gesicht absteigend) mit nicht konfluierenden Flecken, oft diskret (bei Lampenlicht nicht sichtbar!) und flüchtig
Röteln werden meist mit harmlosen und leichten Erscheinungen im Kindesalter überstanden, verdienen jedoch Aufmerksamkeit wegen der durch sie verursachten kindlichen Missbildungen bei Infektion empfänglicher Schwangerer. Röteln hinterlassen eine lebenslange Immunität.

Röteln-Exanthem (mit freundlicher Genehmigung Roche AG)
Labordiagnostik
- Erregernachweis (Zellkultur)
- Virusnachweis durch PCR bedeutsam für pränatale Diagnostik (Chorionzotten, fetales Blut, Fruchtwasser)
Serodiagnostik:
- HHT (Hämagglutinationshemmtest, v.a. zur Immunitätsbestimmung)
- IgM- und IgG-ELISA
- Komplementbindungsreaktion (KBR)
Serologisch kann untersucht werden, ob infolge früherer Infektion bereits vor der aktuellen Exposition eine Immunität vorhanden war (hämagglutinationshemmende Antikörper positiv) oder ob es sich um eine frische, evtl. inapparente Infektion gehandelt hat (Titeranstieg bzw. Nachweis Röteln-spezifischer IgM-Antikörper erst bei einer 2. Blutabnahme positiv).
Die Untersuchungen werden in virologischen Speziallaboratorien durchgeführt.
Immunität
Röteln-spezifischer Antikörper-Titer im indirekten Hämagglutinationshemmtest (HHT) 1:16 oder höher.
Überprüfung eines Kontaktes, Verdacht auf Infektion
- Untersuchung von zwei Serumproben im Abstand von 10–14 Tagen mittels HHT oder Komplementbindungsreaktion (KBR)
- keine Infektion bei gleichbleibenden Titern
- frische Infektion oder Boosterung der Immunität durch Wildviruskontakt bei zumindest 4-fachem Titeranstieg
- Erfolgt die Blutentnahme erst 4–6 Wochen nach dem Kontakt, kann der Nachweis spezifischer Röteln-IgM die Diagnose einer Erkrankung sichern (KBR positiv)
- nach diesem Zeitpunkt keine sichere Abklärung mehr möglich
Komplikationen postnataler Infektionen
Prognose bei postnataler Infektion gut, in Einzelfällen geringgradige arthritische Beschwerden. Transiente, asymptomatische Thrombozytopenie ist häufig; Inzidenz einer thrombozytopenischen Purpura jedoch nur bei 1 von 1500 Infektionen. Rötelnenzephalitis oder -enzephalopathie, postinfektiöse Enzephalopathien und Enzephalomyelitis treten fast ausschließlich in Bevölkerungen mit geringer Durchimpfungsrate und mit einer Inzidenz von 1 in 6000 Rötelnfällen auf.
Kongenitales Rötelnsyndrom
- Rötelnsyndrom (Embryopathia rubeolaris, Gregg-Syndrom) tritt bei rund 90% der symptomatischen Infektionen nicht immuner Schwangerer auf, wenn die Infektion im 1. Trimenon der Gravidität erfolgt.
- Bei inapparenter Infektion liegt das Risiko bei 18% (normal zu erwartende Missbildungsrate in Deutschland 2,6%).
- Die häufigsten Missbildungen sind: Herzfehler, Katarakte, Zahndefekte, Innenohrschäden.
- Bei maternofetaler Infektion in der 12.–16. Schwangerschaftswoche kann es zum sog. „erweiterten Syndrom“ mit postnataler Hepatosplenomegalie und Thrombozytopenie des Neugeborenen kommen (Prognose gut).
Differenzialdiagnose
| Differenzialdiagnose |
Röteln
Schulalter |
Exanthema subitum 3-Tage-Fieber (6 Mon.) bis 1-2 (3) Jahre |
Erythema infectiosum
Schulalter |
| Prodromi | Katarrh der oberen Luftwege 1-2 Tage |
vor Exanthem Continua für 3–4 Tage, manchmal mit initialen Fieberkrämpfen und Erbrechen |
keine
|
| Ausschlag | blassrotes, makulopapulöses Exanthem, nicht konfluierend (morbilliform oder skarlatiniform); beginnt im Gesicht, dann Hals, Rumpf, Extremitäten |
rötelnähnliches Exanthem, aber bevorzugt am Rumpf; spärlicher an den Extremitäten und im Gesicht | blassrotes, polymorphes Exanthem, Beginn im Gesicht, später an Streckseite der Extremitäten girlanden- und landkartenähnlich, Rumpf frei; Intensität und Ausbreitung des Exanthems können stark wechseln |
| Sonstige Symptome | leichtes Fieber, Schwellung vor allem der nuchalen und retroaurikulären Lymphknoten, oft nachweisbare Milzschwellung | während des Exanthems kein Fieber | leichtes Fieber, Schnupfen, Konjunktivitis |
| Wichtige Blutbild- veränderungen |
Vermehrung der Plasmazellen auf 10-20% | starke Verminderung der Leukozytenzahl | Eosinophilie |
Letztes Update:24 Februar, 2009 - 14:31








